Erzähl mir eine Geschichte

Was sich Kinder oft wünschen, finden auch Erwachsene toll. Denn Geschichten erklären uns die Welt. Sie erzählen von uns selbst, von anderen und von den Dingen um uns herum. Sie bringen uns zum Lachen, zum Weinen, zum Nachdenken oder einfach zum Träumen – sie berühren uns auf magische Weise.

Wer eine gute Story hört, vergisst sie nicht so schnell wieder.
Neurowissenschaftler können das sogar wissenschaftlich mit der Funktionsweise des limbischen Systems erklären. Ich als Texterin finde es einfach prima und mache mir diese Laune der Natur gerne zunutze: Storytelling heisst die Methode, die derzeit im Marketing ein echter Trend ist. Wobei – ganz so neu ist Storytelling gar nicht: Viele Produkte setzen sich erst durch die Geschichte, die sie erzählen, von anderen ähnlichen Angeboten ab. Nike erzählt uns seit mittlerweile 20 Jahren die Geschichte vom Verzagen und Mut Haben, von unseren Möglichkeiten, die wir nur dann ausschöpfen, wenn wir tatsächlich anfangen etwas zu tun: Just do it. In diesen drei Worten lässt sich die Nike-Story zusammenfassen. Red Bull verleiht nicht nur Flügel, sondern gilt auch als Vordenker in Sachen Content-Marketing. Das österreichische Unternehmen bedient sich gern der Storytelling-Methode. Mit seiner Red-Bull-Stratos-Story und seinem Helden, dem Extremsportler Felix Baumgartner, hat der Getränkehersteller einen Riesencoup gelandet: Acht Millionen Zuschauer sahen Baumgartners Fallschirmsprung aus der Stratosphäre. Wobei ich hier nicht verschweigen will, dass Red Bulls Marketing-Strategie auch umstritten ist. Aber das ist eine andere Geschichte.

Schon die neuste Story gehört?
Neu sind auf jeden Fall die medialen Möglichkeiten, um Geschichten zu verbreiten. Über Social Media lassen sich interessante Inhalte schnell und bequem mit Freunden und Bekannten weltweit teilen. Diese Inhalte können Bilder, Sprüche, Nachrichten oder Meinungen sein. Besonders gerne werden aber auch hier kleine und grosse Geschichten weitererzählt. Eine viral besonders erfolgreiche Werbekampagne der letzten Zeit war Real Beauty Sketches von Dove. Die Story drehte sich um eine der grossen philosophischen Fragen: «Wer bin ich?» Bei der Zielgruppe Frauen kam das sehr gut an. Vor kurzem geisterte ein entzückendes (Werbe-)Video der amerikanischen Modemarke WREN durch meine Facebook-Timeline «The First Kiss». Das Video erzählt die Geschichte vom Zauber des ersten Kusses. Es zeigt, wie sich 20 (angeblich) Fremde zum ersten Mal küssen. Viele, die dieses kurze Filmchen geteilt haben, bemerkten gar nicht, dass es sich um ein Werbevideo handelte. Die Menschen waren einfach fasziniert – und in dem Moment enttäuscht und empört, als sie wahrnahmen, dass hier «nur» Schauspieler am Werk waren. Die Leute wollen schliesslich keine Märchen aufgetischt bekommen, sondern authentische, glaubwürdige Geschichten.

Erzählen Sie keine Märchen, erzählen Sie Ihre Geschichte.
Wie können kleine und mittelständische Unternehmen Storytelling für ihre Kommunikation nutzen? Das kommt vor allem auf die Ziele an. Geht es um einen langfristigen Image- und Reputationsaufbau oder eher um kurz- bis mittelfristige Kaufanreize? Storytelling kann im Rahmen einmaliger Werbeaktionen eingesetzt werden oder Basis einer umfassenden crossmedialen Marketing- bzw. Content-Marketing-Strategie sein.

Storytelling eignet sich zur

  • Identifikation mit einer Marke / einem Unternehmen,
  • Kundenbindung und
  • Neukundengewinnung.
  • Es kann aber auch im Verkauf eingesetzt werden, um Absatzzahlen zu steigern.

Wenn Sie eine Story zu Ihrer Marke / Ihrem Unternehmen entwickeln (lassen) möchten, sollten Sie vorher einige Fragen klären:

  • Kennen Sie die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe(n)?
  • Welche Inhalte kann mein Unternehmen bieten?
  • Und welche Inhalte passen zur Marke / zum Unternehmen?
  • Sind diese Inhalte für meine Zielgruppe(n) von Bedeutung?
  • Eignen sich diese Inhalte zum Dialog und zur Interaktion?
  • Wie kann ich meine Inhalte in einer Story erzählen? Habe ich einen Helden für meine Geschichte? Und ist die Geschichte relevant, berührend, facettenreich, seriell ausbaubar; eignet sie sich zum Weitererzählen?
  • Auf welchen Kanälen soll meine Story verbreitet werden? Blog, Website, Unternehmensbroschüre, Geschäftsbericht, Social Media … Und wie erzähle ich die Geschichte auf welchem Kanal?

Wie man eine gute Story entwickelt, steht dann noch auf einem ganz anderen Blatt. Oder vielleicht demnächst in diesem Kino.

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3 Gedanken zu „Erzähl mir eine Geschichte“

  1. Das hat mir besonders gefallen: Erzählen Sie keine Märchen, erzählen Sie Ihre Geschichte.

    Weil ja: Werbung erzählt zu oft Märchen statt Wahrheiten. In guten Geschichten wollen wir etwas Wahres spannend verpackt hören :).

  2. Ein Lob von einer Expertin auf dem Gebiet. Wie schön 😉 Danke! Ergänzen möchte ich noch, dass wir nicht nur wahre Geschichten bevorzugen, sondern vor allem solche, die zudem etwas mit unserem eigenen Leben zu tun haben. Oder?

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