Glück im Unglück

Es geschah am 21. Dezember, um 10 Uhr morgens. Bernadette Nater bedient die Kunden in der Print-Lounge, und davon hat es an diesem Samstag jede Menge. Sie eilt mit dem Poster ins Untergeschoss, um es ins richtige Format zu schneiden. Schnell noch prüfen, wo es geschnitten werden soll, dann fällt auch schon der Pressbalken der Maschine runter. Bernadette durchfährt ein Schauer, sie sieht das Blut am Poster entlang sickern. Die Umgebung verflüchtigt sich, wird schummrig vor ihren Augen, ihr wird übel. Wie in Trance schlurft Bernadette nach oben, ohne ein Wort zu sagen, sieht ihre Chefin Andrea Ströbele die Misere. Schnell ruft sie den Arzt an, verbindet ihr notbedürftig den Zeigefinger und versucht, sie behutsam vom Schock zu erlösen. Der Finger war Gott sei Dank noch dran, es löste sich «lediglich» die vordere Kuppe. Bernadettes Partner fuhr sie zum Arzt, dort wurde der Finger genäht. Wichtige Nervenbahnen wurden Gott sei Dank nicht verletzt. Zwei Tage später stand Bernadette wieder in der Print-Lounge und bediente die Kunden.

Unfälle sind keine Privatsache

Rund 250‘000 Berufsunfälle und Krankheiten, die mit der Arbeit zusammenhängen, werden jährlich in der Schweiz registriert. Am meisten betroffen sind die Hände mit 31 Prozent, gefolgt von offenen Wunden und den Augen. Arbeitsunfälle ziehen nicht nur Leid und Schaden mit sich, sondern sind auch bürokratisch und finanziell aufwändig.  Zig Formulare muss der Arbeitgeber mit dem Arbeitnehmer ausfüllen, Abklärungen mit der Unfallversicherung treffen und natürlich die Abwesenheit des Mitarbeiters organisieren. Denn der verunfallte Mitarbeiter fehlt meist an allen Ecken und Enden. Gerade in kleineren Betrieben. Es kommt zu Engpässen, Terminproblemen, Stress, vielleicht gar zum Verlust von Aufträgen. Laut einer Recherche des Beobachters kostet ein Unternehmen jeder Abwesenheitstag des fehlenden Mitarbeiters 600 bis 1000 Franken. Deshalb ist es wichtig, als Arbeitgeber ein betriebliches Sicherheitskonzept zu führen und für «sichere und gesunde» Arbeitsplätze zu sorgen.

Die grosse Gefahr: Stress

Wir sind gut versichert, denn das ist uns wichtig. Dazu kommt, dass wir bis jetzt grosses Glück hatten. Nur wenige Unfälle sind in den letzten 40 Jahren passiert. Sicher trägt auch unsere Vorsorge bei. Jeder Abteilungsleiter hat den Auftrag, regelmässig die Arbeitsvorgänge innerhalb seiner Abteilung zu überprüfen. Jeder neue Mitarbeiter erhält bei Arbeitsbeginn klare Instruktionen zur Sicherheit und Unfallprävention. Unsere Drucktechnologen tragen Schuhe mit Stahlkappen, die Ausrüstungsmaschinen sind mit Sicherheitsvorkehrungen eingerichtet. Deshalb war ich anfangs auch ein wenig irritiert, warum Bernadettes Finger in die Schneidemaschine kam. Auf diese Frage hin meinte sie: «Ich war einfach unachtsam und habe die Hände unnötig in Gefahr gebracht, weil ich unter Strom stand. Der Unfall hat mir wieder mal vor Augen geführt, dass ich ruhiger und bedachter arbeiten muss. Und dass ich künftig wieder Hilfsmittel bei der Maschine gebrauche. So, wie ich es gelernt habe.» Mittlerweile ist Bernadettes Finger gut verheilt. Nur noch ein feines Pflaster erinnert an den Vorfall. Wir sind natürlich froh, ist nichts Schlimmeres passiert.

Wertvolle Websites zu Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz:
www.secoklick.ch, www.swissergo.ch, www.arbeitsmedizin.ch.

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