Jäger des verlorenen Wortes

In Gesprächen merkt man meist, wenn das Gegenüber ein Wort nicht richtig versteht. Entweder kommt eine Rückfrage oder eben dieser Blick, der uns sagt: «Ich verstehe nichts von dem, was du sagst.» Dann kann ich erklären, umschreiben, beschreiben, bis das Gegenüber verstanden hat, was ich genau meine. Wer jedoch im Büro sitzt und an einem Brief schreibt, dem fehlt dieses Feedback. Auch dort taucht manchmal das Problem auf, dass einem das perfekte Wort einfach nicht einfallen will. Man sucht, denkt darüber nach, versinkt in Gedanken und verliert viel Zeit mit Grübeln.

Unermessliche Quelle der Inspiration

Dabei würde der Griff nach einem Synonym-Wörterbuch schnelle Hilfe bieten. Vor allem, wenn es darum geht, eine Sache zu beschreiben, bietet ein solches Wörterbuch eine unglaubliche Quelle der Inspiration. Statt einfach nur «schön» zu sagen, hat man plötzlich die Wahl: ansehnlich, apart, ästhetisch, attraktiv, auserlesen, berückend, bezaubernd, blühend, charmant, distinguiert, elegant, formvollendet, fotogen, gepflegt, glanzvoll, grossartig, hübsch, herrlich und noch viele mehr.

So findet sich dann unversehens das perfekt treffende Wort. Jenes kleine, vernachlässigte Wörtchen, das jeder kennt, aber kaum jemand benutzt. Und wenn es dann in einem Text auftaucht und seine ganze Kraft entfaltet, bringt es beim Leser dieses unvergleichliche Ich-weiss-genau-was-du-meinst-Gefühl hervor.

Die Gedankenwelt des Lesers ansprechen

So kreieren wir einen Text, der den Leser berührt, der ihm zeigt, dass wir seine Gedankenwelt ansprechen können. Der Leser fühlt sich mit uns verbunden, wir gewinnen seine Sympathie und sein Vertrauen. Das alleine sollte es schon wert sein, diesen Griff zum Synonym-Wörterbuch zu wagen.

Und wer das ein paar Mal gemacht hat, wird schnell merken: Es macht Spass. Wer sich auf die Entdeckungsreise durch den wilden und manchmal verwirrenden Dschungel der Sprache macht, kann verloren geglaubte Wörter wiederentdecken.

Viel Spass dabei!

2 Gedanken zu „Jäger des verlorenen Wortes“

  1. Sehr schön, wie Sie die Verarmung unserer Alltagssprache um- und gegen sie anschreiben.

    Wenn ich nur an das allgegenwärtige «Hallo» denke. Wer entbietet einem eigentlich noch die Tageszeit als Gruss? Mag das im persönlichen Umgang noch vorkommen, für Mails scheint es irgendwo gesetzlich geregelt zu sein, dass sie nur mit «Hallo» starten dürfen.

    Oder wenn ich an eine andere Heimsuchung unserer Umgangssprache denke: «super». Heute ist alles Positive bei fast allen nur noch «super». Wie hat das Essen geschmeckt? – Richtig: «super». Dabei kann Essen nicht «super» schmecken, sondern nur «gut» oder «schlecht», «süss» oder «sauer», «bitter» oder… Und so weiter.

    Wenn einem so etwas bei sich selbst auffällt, kann ein Synonym-Lexikon wirklich unschätzbare Dienste leisten. Und wenn man das nicht im Schrank (oder gar keinen Schrank) hat, dann lassen sich Wort-Alternativen auch online finden. Zum Beispiel hier: http://www.woerterbuch.info/

    1. Nun, an sich ist der Netzgruß ‚Moin‘, das passt zu allen Tageszeiten, denn man weiß ja ohnehin nie, in welcher Zeitzone jemand ist.

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