Lügen haben kurze Beine

Da sitzt man freitagabends mit Kumpels zusammen und kommt auf glorreiche Ideen. Einfach aus einer Laune heraus. Ohne gross darüber nachzudenken. Ehe man sich versieht, steckt man im Schlamassel. Wie in der Filmserie Hangover. Den beiden Freunden aus Karlsruhe erging es genauso. Zwar endete das Fiasko nicht mit Leichen und Gefängnis, aber in der Stuttgarter Zeitung.

Angefangen hat alles mit CarLoft, ein zukunftsweisendes Wohn- und Parkkonzept für den mehrgeschossigen Wohnungsbau in der Grossstadt. Anders erklärt: Hier fährt man mit dem Autolift direkt zur Wohnung und parkt es auch dort. Aber so trendig das auch sein mag – einfach lassen sich diese Wohnungen nicht verkaufen. Das bekam auch die Baufirma Familienheim in Karlsruhe zu spüren. Von den 24 Wohnungen waren gerade mal 9 verkauft worden.

Was also tun, um die Carlofts in Karlsruhe zu vermarkten? Eine Erfolgsstory in der Zeitung, das wäre doch nicht schlecht. Gesagt, getan. Frank Nöthen lädt die Journalistin der Stuttgarter Zeitung in die Loft ein. Dort erzählt er ihr, dass seine Eltern die Loft für eine halbe Million Euro gekauft hätten. Sie würden aber erst dann hier einziehen, wenn sie nicht mehr gut zu Fuss seien. Bis dahin dürfe er sie benützen. Er schwärmt von den Vorzügen der Wohnung – die Carloft sei super gross, super zentral und so super schön.

Wieder zurück in der Redaktion fängt die Journalistin an zu recherchieren. Als sie den angeblichen Vater von Frank Nöthen anruft, hat der keine Ahnung, wovon sie spricht. Er wusste nicht einmal, was eine Carloft ist. Die Journalistin stellt Frank Nöthen zu Rede. Es stellt sich heraus, dass an dieser Geschichte nichts super ist. Frank Nöthen wohnt mit seiner Frau in einer ganz normalen Mietwohnung am anderen Ende der Stadt. Die Firma hält sich eine Show-Loft bereit und die Geschichte hat sich Frank Nöthen mit seinem Kumpel ausgedacht. Es sei eine «dumme Freitagsidee» gewesen. Vom Chefvermarkter der Loft ist nichts mehr zu hören.

Eine Home-Story ist eine schöne Sache. Aber sie sollte echt sein. Andernfalls wird eine ganze Seite über einen berichtet, wie man andere an der Nase herumgeführt hat. Und das bringt keinen Erfolg. Für die restlichen 15 Wohnungen wird der Vermarkter wohl noch lange Käufer suchen. Denn, wer will schon einen Vertrag bei einem Lügner unterzeichnen?

Lesen Sie die ganze Geschichte in der Stuttgarter Zeitung.

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2 Gedanken zu „Lügen haben kurze Beine“

  1. Ja, immer wieder dasselbe. Lügen zahlt sich einfach nicht aus.
    Lieber bei der Wahrheit bleiben. Mit ein bisschen Kreativität und den passenden Wörtern kann man auch die Wahrheit spektakulär wirken lassen.

  2. Die Geschichte bzw. deren Protagonisten sind dermassen frei jeglicher Intelligenz, dass es mir schwer fiel, das alles zu glauben.

    Wenn ich es mir aber recht überlege, ist die Idee bzw. die Sache dahinter keineswegs so fern der Welt. Wer beispielsweis in Stuttgart unterwegs ist, wird sich über die zuparkierten Strassen ärgern. Eine ästhetische Herausfordeurng, ein hohes Sicherheitsrisiko und dazu Gratis-Parking auf Kosten der Allgemeinheit, das geändert werden sollte.

    Angesichts der vielen hässlichen „Schlitze“ zwischen den Häusern in der Autostadt ist die Car-Loft-Idee gar nicht so dumm – sondern viellleicht eine mit Zukunft. Dann stehen die Strassen und Trottoirs wieder den Fussgängern und Velofahrern zur Verfügung. Eigentlich ganz nett, diese Vorstellung.

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