Mit allen Sinnen werben

Manchmal liest man einen Text und hat das Gefühl, dass darin etwas Wesentliches fehlt. Obwohl alle wichtigen Fakten drin enthalten sind, fühlt sich der Text leer an, farblos, kalt, nichtssagend. Das kann daran liegen, dass unser primäres Sinnessystem nicht angemessen angesprochen ist.

Menschen haben fünf Sinne und brauchen diese täglich. Dabei sind manche stärker ausgeprägt als andere. Das wichtigste Sinnessystem ist der Sehsinn, dicht gefolgt vom Hören und vom Fühlen. Bei den meisten etwas weniger stark ausgeprägt sind das Riechen und Schmecken.

Jeder Mensch hat seinen bevorzugten Sinneskanal. Viele sind stark auf das Sehen fixiert, andere eher auf das Fühlen, wieder andere eher auf das Hören. Eine Werbebotschaft ist umso stärker, je genauer sie das primäre Sinnessystem eines Menschen anspricht. Und weil dieses bei jeder Person anders ist, sollte die Werbebotschaft alle Sinne ansprechen.

Nur – wie zeigt man in einer reinen Textbotschaft etwas Bildhaftes? Oder wie lässt man eine Botschaft klingen, damit der Gehörssinn angesprochen wird. Und wie findet man bewegende Worte, die eine Gänsehaut verursachen?

Verbale Sprachmuster
Es gibt für jedes Sinnessystem typische Wörter. Beim Verfassen einer Werbebotschaft sollte das primäre Sinnessystem angesprochen werden, das zum Produkt passt. Verkaufen Sie TV-Geräte, ist es sinnvoll, besonders das Visuelle zu zeigen. Bei einer Hautcreme legen Sie den Schwerpunkt auf das Fühlen, bei einem Soundsystem sprechen Sie über den reinen Klang. Nicht immer sind die primären Sinnessysteme so eindeutig zu bestimmen. Wenn Sie ein Auto verkaufen, sollten Sie deshalb alle Sinne ansprechen. Die edle Anthrazit-Lackierung, das satte Brummen des Motors und das weiche, duftende Leder-Interieur.

Wörter, die das Sehen ansprechen
Sichtbar, offensichtlich, grün, orange (alle Farben), hell, dunkel, klar sehen, Weitblick, Fokus, lesen, beleuchten, erscheinen, aussehen, einleuchten, einsehen. Ich sehe, was Sie meinen.

Wörter, die das Hören ansprechen
Sprechen, ansprechen, fragen, laut, leise, ruhig, murmeln, klingen, hören, Klang, Ton, Ruhe, Krach, Lärm, Stille, brummen, knistern, erläutern, knacken. Das klingt toll.

Wörter, die das Fühlen ansprechen
Begreifen, berühren, packend, fühlbar, erfassen, warm, kalt, heiss, kühl, halten, fest, weich, sanft, empfindlich, folgen, landen. Ich bin hin- und hergerissen. Ich habe das Gefühl, dass…

Wörter, die das Riechen ansprechen
Stinken, riechen, duften, herb, Geruch, Hauch, Parfüm, Aroma, ausdünsten, schnuppern, wittern, Mief, Moder, Duftwolke. Das riecht nach einem Schnäppchen. Das stinkt mir.

Wörter, die das Schmecken ansprechen
Geschmack, Aroma, Bukett, schmecken, kosten, vorkosten, munden, salzig, süss, sauer, scharf, gesalzen, bitter, schal. Dieses Angebot schmeckt mir nicht.

Den richtigen Ton zu treffen, die passenden Bilder erscheinen zu lassen, braucht ein gewisses Gespür für den Text. Und viel Übung. Lesen Sie einen Ihrer Texte und finden Sie heraus, welches Ihr primärer Sinneskanal ist, indem Sie darauf achten, welche Wörter Sie am meisten benützen. Und wenn Sie Lust haben, schreiben Sie den Text neu und achten Sie darauf, dass alle Sinne angemessen vertreten sind. Was hat sich verändert? Ist der Text vielleicht sogar lebendiger geworden?

Ich wünsche viel Erfolg und viel Spass beim Schreiben.

 

Foto: shop.farbnische.de

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