Wenn aus der Hand ein Hammer wächst

Im «Creative Writing»-Seminar von Milena Moser bekamen wir verrückte Aufgaben. Eine davon ging so: Jeder Teilnehmer musste ein Wort oder Wortgebilde aufs Papier schreiben und weitergeben. Am Schluss gelangte das Papier wieder zu mir, auf dem ein vollständiger Satz stand. Allerdings in abstruser Zusammensetzung: Nachdem ich den ganzen Tag gewartet habe, stellte ich fest, dass aus meiner Hand ein Hammer gewachsen war. Du lieber Himmel, und daraus soll ich nun eine Geschichte schreiben? In sieben Minuten? Na gut, dann los:

Nachdem ich den ganzen Tag gewartet habe, stellte ich fest, dass aus meiner Hand ein Hammer gewachsen war. Wusste ich’s doch, es nützt überhaupt nichts, wenn ich den ganzen Tag vor dem leeren Blatt sitze und mir den Kopf zermartere, was ich Gescheites, Witziges oder Verrücktes schreiben könnte. Denn wenn man überlegt, was dieser Satz bedeutet, dann ist er gar nicht so abwegig. Im Gegenteil. Er sagt mir nämlich ganz viel. Wenn ich den ganzen lieben langen Tag warte, ohne zu schreiben, dann wachsen aus meiner Hand keine Wörter, sondern ein Hammer. Also hätte ich statt Texterin besser Schmied gelernt! Nein, ich kann nicht mal unter heissem Wasser die Tasse abwaschen, ohne dass ich krächze. Wie soll ich da den ganzen Tag die siedenden Eisen klopfen? Und überhaupt, ist dieser Beruf nicht ausgestorben? Hm, der Schreiner hat oft einen Hammer in der Hand. Aber nein, das passt mir auch nicht. Dazu sind meine Hände viel zu zart und mein handwerkliches Flair steckt tief unter der Holzbeige vergraben. Also, lassen wir das. Aus meinen Händen wächst nämlich ein ganz anderer wertvoller Gedanke: Bleib beim Schreiben. Das ist alles, was du willst und was du zum Leben brauchst. Und diese Erkenntnis ist doch echt der Hammer!

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