Wenn eine Idee zum «Störfall» wird

Das Unternehmerforum von Ströbele Kommunikation hat gezeigt: Wer wagt, gewinnt. Mal ist es Aufmerksamkeit, mal ein positives Echo von Kunden. Und oft auch Umsatz.

Nicht jeder würde freiwillig dem Löwen ins Maul schauen. Aber die mutigen Gäste wagten es. Zumal sie neugierig genug waren, zu erfahren, wie sie als Unternehmer von der Angsthasen-Werbung wegkommen. Denn genau so lautete unsere Einladung zum 17. Unternehmerforum: «Mut haben». Mut haben zu «neuen» Kanälen. Mut haben zu klaren, unverbrauchten Botschaften. Und dafür das hundert Mal Gesehene und Vertraute aufzugeben.

Geschichten erzählen

Laut Forschungen der Hochschule für Technik & Wirtschaft in Chur nutzen gerade mal 35 Prozent der Schweizer KMU Social Media Kanäle. Die meistgenannten Gründe: Keine Strategie, fehlende Kenntnisse, der Kostenfaktor Zeit und der fehlende Glauben an den wirtschaftlichen Nutzen. Oliver Gassner, XING-Trainer und Social Media-Experte, konnte sich erklären, warum KMUs Bedenken haben: «Meist ist es die Angst, öffentlich einen Fehler zu machen oder nicht professionell aufzutreten. Dabei stellt man zu hohe Ansprüche an sich und die Firma. Aber das ist unnötig. Social Media zu betreiben, ist eigentlich ganz leicht. Man muss einfach Geschichten erzählen, und von denen hat jeder Unternehmer genug.» Dazu komme, dass diese Kanäle weitgehend intern zu realisieren seien und damit die Kosten überschaubar hielten.

Unverbraucht und frech – warum nicht?

Mut braucht es auch in der Konzeption. Verrückte Ideen sind zwar schnell gesponnen, aber sie dann auch auszuführen, ist eine andere Sache. Hansjörg Stahel von der Garage Stahel AG bewies grossen Mut mit seinen Aktionen. Er stellte Hochzeitsbräute an die Strasse, die Autostopp machten. Wer anhielt, bekam von der Braut zu hören, dass sie nur in einem Ford von Stahel mitfahre. Die Aktion löste nicht nur ein Verkehrschaos aus. Das Angebot von einer Gratis-Autowäsche nahmen dann über 400 Leute in Anspruch. «Wir wollen unsere Kunden überraschen und sie bewusst auf unkonventionellen Wegen erreichen, und damit sind wir bis heute sehr gut gefahren», sagte Stahel.

Das Doping für gute Filme

Grosses Kino vollführte der dritte Praxisbericht mit Michel Alraun von Maybaum Film. Er machte den KMUs bewusst, wie stark ein Video wirken kann. Vorausgesetzt, es zeige eine gute Idee, Menschen und Emotionen statt langweilige Vorträge und Produkte. Er nahm auch kein Blatt vor den Mund, um den KMUs klar zu machen, dass man auf die verkaufsorientierten Video-Anbieter verzichten und lieber ein paar Franken mehr ausgeben solle, um das gewünschte Werbeziel zu erreichen. Denn Konzeption und Konsequenz seien Doping für gute Filme.

Mode aus Fischhaut

Dann roch es plötzlich nach Fisch. Nicht im wirklichen Sinne. Aber zumindest in der Vorstellung, als Sabina Brägger auf die Bühne trat. Die junge Textildesignerin erzählte von ihrer Geschäftsidee, wie sie aus Störleder Accessoires kreiert. Auf die Idee mit der Fischhaut brachte sie ihre Mutter. Diese hatte an einer Führung im Tropenhaus Frutigen teilgenommen, das die grösste Störzucht der Schweiz betreibt. Rund 800 Kilo Schweizer Kaviar werden dort pro Jahr produziert. Auch das Störfleisch wird verkauft. Die Haut des Störs allerdings wurde verbrannt. Bis zu jenem Tag zumindest, als Sabina Brägger mit ihrer Mode-Idee kam. Heute produziert sie für ein bekanntes Uhrenlabel und erstellt zusammen mit sozialen Institutionen eigene Produkte.

Mut wird belohnt

In der anschliessenden Podiumsdiskussion fühlte der Moderator Hansjörg Enz den Referenten so richtig auf den Zahn. Von wie viel Geld sprechen wir da? Welche Erfolge bringen Social Media wirklich und welche konkreten Ideen lassen sich sofort umsetzen? Dabei zeigte sich schnell, hier hatte man es mit einer kreativen und innovativen Runde zu tun. Bis zur letzten Minute blieb es spannend und die Fragen aus dem Publikum liessen spüren, das Thema brodelt bei den «KMUlern» schon länger. Zugegeben, wir waren gefordert mit diesem Thema. Und damit auch noch einen Event loszutreten, brauchte etwas Mut. Aber der Aufwand hat sich gelohnt. Das Feedback unserer Kunden war schlicht grandios.

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